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Mobbingtagebuch

 

Das größte Problem in der forensischen Praxis beim Mobbing ist die Frage der Beweisbarkeit. 
Dies gilt sowohl in in zivilrechtlicher wie in strafrechtlicher Hinsicht.
Es liegt selten - fast nie - eine Tatbestandshandlung und ein tatbestandlicher Erfolg vor. 
Deswegen muss die Fülle der Tatbestandshandlungen am besten durch ein 
protokolliertes Tagesbuch dokumentiert werden. Nur so kann sauber dargelegt werden, 
dass die Fülle der Einzelhandlung eine "Gesamttat" bilden, die die Mobbingfolgen dann auslösen.


Wer sich gegen Mobbing wehrt (z.B. Unterlassungs- oder Schadenersatzanspruch) muss als 
Anspruchsteller beweisen, dass er gemobbt worden ist. Bei Indiztatsachen wird eine 
Beweiserleichterung zu Gunsten des Arbeitnehmers angenommen; gute Aufzeichnungen 
unterstützen die Glaubwürdigkeit.

Wenn diese Dokumentation nicht vorliegt, sind in den allermeisten Fällen die 
Gerichtsverfahren von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Ganz wichtig ist auch ein frühzeitiges Einbeziehen des Betriebrates und/oder des Amtes für 
Arbeitsschutz (StafA). Der Betriebsrat hat die gesetzliche Aufgabe die Rechte der 
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu wahren. Das Amt für Arbeitsschutz hat die Aufgabe 
über die Einhaltung der Gesetze in den Betrieben zu wachen.

Mit Hilfe eines Mobbingtagebuchs dokumentiert man eine Entwicklung. Es sollte alles das beinhalten, was dem Betroffenen wichtig erscheint: was ist wann passiert, wer war anwesend, wie haben die Beteiligten (Opfer-Täter- Außenstehende) reagiert bzw. nicht-reagiert. Welche Gespräche wurden mit welchem Ergebnis und zu welchem Zeitpunkt mit Betriebs- bzw. Personalrat und/oder mit dem Staatlichen Amt für Arbeitsschutz geführt? 

Auch organisatorische Veränderungen im Betrieb sollten aufgeführt werden. Mails,Unterlagen, 
Rundschreiben im Unternehmen können das Tagebuch ergänzen. Der Einblick in eine Mobbingtagebuch ist für Außenstehende (Berater, Rechtsanwalt, Therapeut, Arzt) zur Einschätzung der Situation des Betroffenen von Bedeutung und für weitere Hilfen wichtig.        Ein guter Hinweis: nach einem gewissen zeitlichen Abstand das Geschriebene noch mal selber lesen, ergänzen, neu bewerten .... 

Das Mobbingtagebuch erleichtert die Entwicklung einer individuellen Strategie mit dem Ziel das 
Mobbing zu beenden ohne Verlierer zu sein. Wiederholen sich bestimmte Situationen? Welche 
Reaktionen lagen vor? Die Strategie der Täter erkennen um eine Gegenstrategie zu entwickeln.
Mitunter wird angeraten, dass Betroffene lediglich ihre Empfindungen zitieren. Hierbei handelt 
es sich nicht um seriöse Ratschläge. Richtig ist, dass es neben der Aufzeichnung von Empfindungen auch nachvollziehbare Fakten und reale Vorgänge enthalten sollte.                          
Vorsicht vor so genannten Mobbinghotlines, die oft nur aushorchen wollen.

Quelle: Dagmar Pardon